Know-how und Phantasie – das Rezept für neue Rezepte
Experimentieren in der Küche, für viele ein spannendes Hobby, für gut 100 Menschen in Deutschland ein heiß geliebter Beruf. Rezeptentwickler nennt sich die kreative Zunft, die uns mit sorgsam geprüften Anleitungen für ungeahnte Genüsse versorgt. Anne-Katrin Weber (36) aus Hamburg ist eine dieser Künstlerinnen der Küche. Als gelernte Köchin, studierte Ökotrophologin und Buchautorin kreiert sie für alle denkbaren Anlässe mit unterschiedlichsten Zutaten immer wieder neue Rezepte. Ganze Kochbücher sind bereits mit ihren Ideen gefüllt worden.
Frage: Wie sind Sie zu dem ausgefallenen Beruf der Rezeptentwicklerin gekommen?
Anne-Katrin Weber: Die Wurzeln liegen in meiner mehrjährigen Arbeit als Köchin in der kreativen Gastronomie. Meine Begeisterung für das Experimentieren mit Lebensmitteln wuchs, als ich anschließend Ernährungswissenschaften studierte und parallel in der Versuchsküche einer Zeitschrift meine Ideen umsetzen konnte. Ungewöhnliche Rezepte auszuprobieren macht einfach Spaß, obwohl am Anfang durchaus nicht immer alles glückte. Irgendwann wurde ein befreundeter Fotograf auf meine Kreationen aufmerksam und wir begannen, gemeinsam für verschiedene Auftraggeber Rezepte und Fotos zu produzieren.
Frage: Ihr Essen muss also nicht nur schmecken, sondern auch gut aussehen?
Anne-Katrin Weber: Die Rezepte werden meistens fotografiert, damit man sich zum Nachkochen buchstäblich ein Bild machen kann. Ich habe daher auch immer die Optik im Hinterkopf, wenn ich mir ein Gericht ausdenke. Frage: Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? Der Auftraggeber gibt vor, was man entwickeln soll, z.B. eine Suppe auf der Basis von Rotbuschtee. Darauf folgt die Ideenentwicklung auf dem Papier und in der Tasse. Ich gieße mir einen Rotbuschtee auf, lasse das Aroma auf mich wirken und überlege mir dabei, mit welchem Gemüse oder welchem Fleisch der Tee harmoniert. Dann kommt der handwerkliche Teil, vom Einkauf der Zutaten bis zum Ausprobieren am Herd. Für viele Rezepte braucht man mehrere Anläufe, weil die Zusammensetzung z.B. nicht stimmt oder es doch nicht so schmeckt wie vorgestellt. Wenn das Gericht schließlich gelungen ist und es dem Auftraggeber auf dem Papier gefällt, beginnt die Fotoproduktion, bei der ich die Gerichte zubereite.
Frage: Suppe mit Kräutertee – entwickeln Sie häufig so extravagante Speisen?
Anne-Katrin Weber: Das Kochen mit Tee ist gar nicht so ausgefallen, wie man zuerst vielleicht denkt. Neue Rezepte entstehen, wenn man Lebensmittel mal ganz anders kombiniert. Ebenso wie Gewürze sind Kräuter- und Früchtetees dazu prima geeignet, weil es unzählige Sorten und Geschmacksrichtungen gibt.
Frage: Gibt es Ernährungstrends, die Sie bei der Arbeit berücksichtigen?
Anne-Katrin Weber: Da ich selbst auf gesunde Ernährung achte, setzte ich gern bekömmliche und möglichst natürliche Zutaten ein. Damit liege ich auch ganz im Trend. Der Verbraucher möchte genießen, aber möglichst gesund und ohne gleich ein Kilo zuzunehmen. Auch die klassischen Dickmacher wie Torten, Süßspeisen und Saucen kann man lecker und zugleich figurfreundlich zubereiten. Hier bieten sich zum Beispiel wieder die Kräuter- und Früchtetees an. Da sie praktisch kalorienfrei sind und so herrliche Aromen haben, sind sie ideal als Grundlage für leichte Soßen, Suppen und Cremes. Ob minzig, scharf, würzig oder süß und blumig, da lässt sich sehr viel machen.
Frage: Gibt es auch Aspekte Ihrer Arbeit, die Sie nicht so mögen?
Anne-Katrin Weber: Manchmal sind Fotoproduktionen sehr nervenaufreibend. Zusammen mit dem Fotografen übernehme ich auch das Foodstyling am Set. D.h. ich koche das Rezept und achte darauf, dass alles frisch und lecker ausschaut und arrangiere das Gericht mit hübschen Accessoires, wie Besteck, Kräutern oder Servietten. Dann wird es ausgeleuchtet und schließlich fotografiert. Leider geht alles nicht so schnell wie beschrieben, sondern dauert meistens Stunden. Das bedeutet, dass das Gericht unter Umständen immer wieder neu gekocht werden muss, weil es unter den Scheinwerfern die Farbe verloren hat oder in sich zusammengefallen ist. Eine minutiöse Arbeit, die viel Geduld braucht. Insgesamt ist Rezeptentwicklerin aber ein toller, abwechslungsreicher Job, der mir sehr viel Spaß macht.
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