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Wohlbefinden auf sanfte Art

Klostermedizin - Kräuterkräfte neu entdeckt

Interview mit Pater Kilian Saum

In unserer heutigen Zeit der Hektik und Anspannung, wächst das Bedürfnis nach Ruhe und Wohlbefinden. Und zwar auf möglichst sanfte und natürliche Weise. So erinnert man sich an alte Hausmittel und interessiert sich für überlieferte Erkenntnisse. Kräuter erleben eine wahre Renaissance und das nicht nur, weil Harry Potter aus diesen Zaubertränke braut. Die Schätze des Wissens um die Heilkraft von Pflanzen, im Mittelalter in den Klöstern erforscht, sind in der so genannten Klostermedizin zusammengefasst.

Pater Kilian Saum aus dem Orden des heiligen Benedikt (OSB), Kenner der Kräuterheilkunde und Buchautor ("Das Handbuch der Klosterheilkunde", Zabert Sandemann Verlag), hat sich intensiv mit der Klostermedizin beschäftigt.

 

pater kilian

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Die Anfänge der Klostermedizin

Frage: Inwieweit basiert das heutige Wissen um die wohltuende Wirkung unserer Kräuter auf der Pionierarbeit der Mönche und Nonnen in den Klöstern des früheren Mittelalters?

Pater Kilian Saum (OSB): In den Gärten der Klöster wurden die verschiedensten Kräuter angebaut und oftmals als Tees, Extrakte und Tinkturen für das Wohlbefinden eingesetzt. Es galt, dass die Sorge um den Körper ebenso wichtig wie die Sorge um die Seele ist, und es wurde ein umfangreiches Kräuterwissen erarbeitet, das sogar von den Königen und Fürsten hoch geschätzt war. Schriftliche Werke der Klostermedizin entstanden, wobei besonders den Enzyklopädisten des 13. und 14. Jahrhunderts eine große Bedeutung für die Verbreitung des Wissens über die Kraft der Kräuter zukommt. Bereichert wurde das europäische Kräuterwissen auch durch Pflanzen der Indianer, die nach Amerikas Entdeckung von Mönchen nach Europa gebracht wurden.

Mittelalter ganz aktuell

Frage: Welche Bemühungen wurden und werden unternommen, um die Klostermedizin zu neuem Leben zu erwecken?

Pater Kilian Saum (OSB): Im Jahr 1999 entstand am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg das in Europa einzigartige Projekt "Klostermedizin". Philologen, Mediziner, Historiker und Chemiker arbeiten daran, alte Schriften zu übersetzen, die dort beschriebenen Pflanzen ausfindig zu machen und mit den heutigen technischen Möglichkeiten zu analysieren, um die Wirkung der Kräuter wissenschaftlich zu bestätigen und für die heutige Zeit nutzbar zu machen. Mit Bädern, Salben, Umschlägen und Kräutertees lässt sich damals wie heute so viel Positives bewirken. Musste man sich im Mittelalter noch allein auf die von Generation zu Generation überlieferten Erfahrungen verlassen, so kann man heute die wohltuenden Wirkungen der Kräuter in zunehmendem Maße nachweisen.

Frage: Wie ist die heutige Klostermedizin zu verstehen?

Pater Kilian Saum (OSB): Das Ziel ist ein ganzheitliches Wohlbefinden von Körper, Seele und Geist, mit dem sich Mönche und Nonnen Jahrhunderte lang beschäftigt haben. Die Basis ist eine innere Ausgeglichenheit: das "Ablegen können" der in unserer Zeit zunehmenden Unsicherheit, das "Wiedererleben können" einer inneren Ruhe, das Finden des richtigen Lebensrhythmus, zu dem auch ein Wechsel von Ruhe und Bewegung sowie eine ausgewogene Ernährung zählt. Mit Kräutern und Früchten können Sie einen entscheidenden Beitrag leisten.

Frage: Welche Kräuter werden zum Beispiel wofür verwendet?

Pater Kilian Saum (OSB): Klassische Kräuter der Klostermedizin sind unter vielen anderen Baldrian, Mönchspfeffer, Kamille, Lavendel und Fenchel.

Alle Pflanzen haben eine überlieferte Qualität, so wird Fenchel als wärmende und trocknende Pflanze angesehen und vorwiegend als Kräutertee bei Erkältungskrankheiten und Verdauungsschwäche angewandt. Der Lavendel zum Beispiel ist besonders vielseitig einsetzbar, vorwiegend als ätherisches Öl oder Tee. So wirkt er beruhigend bei Unruhe, hilft bei Schlafstörungen und lindert Oberbauchbeschwerden. Äußerlich angewandt fördert das Lavendelöl die Heilung bei Hautproblemen, in dem es den Kreislauf und die Durchblutung der Haut anregt. Im Prinzip ist gegen jede Krankheit ein Kraut gewachsen. Der tägliche Genuss von z.B. Kräuter- und Früchtetees kann aber auch präventiv wirken, denn ein generelles Wohlbefinden verhindert so manches Unwohlsein.

 

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