Von A wie Aberglaube bis Z wie Zauberei
Kräuter- und Früchtetees sind nicht nur schmackhaft und bekömmlich, ihren natürlichen Inhaltsstoffen wird in Sagen und Mythen auch magische Kraft zugesprochen. Zahlreiche Überlieferungen um die Kräuter und Früchte spiegeln die große Wertschätzung wider, die ihnen bereits in der Antike entgegengebracht wurde. Manches Kraut war einigen Kulturen sogar heilig. Geheimnisvolle Geschichten erzählte man sich über gute Hexenkräuter, Kräuter, die des Teufels waren, und Liebeskräuter. Vielleicht steckt ja ein Körnchen Wahrheit darin. Warum probieren Sie nicht einfach mal, mit einer zauberhaft duftenden Tasse Kräuter- oder Früchtetee die zauberhaften Wirkungen für sich zu nutzen?
Schutz vor allerlei Übel
Nicht nur an Halloween: Der Kümmel gilt von jeher als antidämonisch und schützt gegen Behexung und Zauberei. So sollen zum Beispiel unerwünschter Zwerge durch Kümmelbrot in die Flucht geschlagen werden können. Und der Schlaf des unruhigen Kindes wird durch eine Schüssel Kümmeltee unter dem Bett gefördert. Eisenkraut wiederum findet bei der Vertreibung von Gewitter - und um Eisen zu härten - Anwendung. In der Mythologie wird auch die Brennnessel zum Schutz vor Hexen und Dämonen gebraucht. Fenchelsträuße am Johannistag (24. Juni) an Tür und Fenster aufgehängt, verhindern das Eindringen böser Geister. Ist es dafür schon zu spät, helfen Fenchelsamen in den Schlüssellöchern spukender Häuser, die bösen Mächte zu vertreiben.
Erfolg in Sachen Liebe
Eine Kette mit durchbohrten und wie Perlen aufgezogenen Hagebutten, die man an Knöchel oder Hals trägt, macht begehrenswert. Um Amor auf die Sprünge zu helfen, war es im Mittelalter beliebt, durch ein dreifach gelochtes Salbeiblatt ein eigenes und ein Haar des Angebeteten zu ziehen und unter seiner Türschwelle zu vergraben. Sollte der Erfolg ausbleiben, so konnte zum Beispiel ein kleines Thymiansträußchen schuld sein, denn Thymian soll die Mädchen vor Verführung schützen.
Hat es mit der Liebe endlich geklappt, gibt es natürlich auch Bräuche, diese lebendig zu halten. So streute man Neuvermählten als Glücksbringer Fenchelsamen auf den Weg. Mischt man sie in ein Glas Wein, bringen sie das Liebesleben in Schwung. In der Antike wurden aus der erotisierenden Minze Kränze geflochten, so genannte "Venuskronen", die dann Braut und Bräutigam trugen. Gern rieb man zu entsprechenden Zwecken auch die Tische mit frischen Minzblättern ein. Ebenso ist die Brennnessel ein Helfer, um feurige Liebe auszulösen: Ein Öl mit Nesselsamen und gemahlenem Pfeffer soll helfen. Anis galt lange Zeit als Jungbrunnen und Potenzmittel. So soll man sich einfach mit Anisaufguss waschen und die Wirkung tritt ein.
Wünsche und Glück
Salbei wurde gern angewandt, um Geld anzuziehen, Wünsche zu manifestieren und um Weisheit und Unsterblichkeit zu erlangen. Das aromatische Kraut diente auch lange Zeit zauberischen Zwecken. Wird Salbei in den Mist gelegt, so wird daraus ein Wurm oder ein Vogel. Berührt man das Blut des Vogels, verliert man für einen Monat die Sinne. Streut man hingegen die Asche des Wurmes ins Feuer, entstehen Blitz und Donner.
Beim Thymian scheiden sich die Geister: Galt er bei mittel- und osteuropäischen Ländern als Glück bringende Pflanze, hatte er bei abergläubischen Menschen in England und Frankreich einen schlechten Ruf. Der Holunderstrauch ist der Sage nach der Wohnsitz der Frau Holle, einer den Menschen freundlich gesonnen Göttin. Das Fällen eines Holunderbaumes war streng verboten und brachte Unglück über die Familie. In Dänemark beherbergt der Holunder eine Baumnymphe, die jeden bestrafte, die ohne ihre Erlaubnis ihr Holz fällte. Wer in der Mittsommernacht in Skandinavien unter dem Holunder schläft, wird den Elfenkönig mit seinem Gefolge vorbeiziehen sehen. Bestreut man Orte, Gegenstände oder Personen mit Holunderblüten, Blättern oder Beeren, werden sie gesegnet.
Heilung und Linderung
Eisenkraut gilt als heilige Reinigungspflanze und wird in der Mittsommernacht oder bei Aufgang des Sirius gesammelt, wenn weder Mond noch Sonne am Himmel stehen. Die Brennnessel ist im Aberglauben die Nadel des Teufels und die Waldrebe das Garn dazu. Als Hilfe gegen hohes Fieber muss man nur nach Sonnenuntergang etwas erbetteltes Salz über dieses Kraut streuen und folgende Beschwörungsformel sprechen: "Nesselstrang ich klage dir, mein sieben und siebzigerlei Fieber plaget mich, nimm es von mir, behalt es an dir." Lässt die Pflanze den Kopf hängen und verwelkt, dann hat der Zauber geholfen und der Kranke ist von diesem Fieber für alle Zeit erlöst. Und sollten Sie trotz aller Bemühungen doch einmal Liebeskummer überkommen, helfen Melissenblätter aufs Herz gebunden - und dampfend-tröstlich in der Tasse.
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