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Mit allen Sinnen für Qualität

Tea Taster - ein Beruf mit Berufung

Bei einem heiteren Beruferaten hätten die Kandidaten kein leichtes Spiel mit dieser Profession, denn es gibt nur wenige Stellen in der Bundesrepublik. "Gestatten, ich bin Tea Taster", wenn Sie einmal diese Worte hören, haben sie einen echten Sinnesmenschen vor sich, der eine seltene Ausbildung und sehr viel Erfahrung mit Tee hat - auch mit Kräuter- und Früchtetee. Ähnlich wie Künstler brauchen Tea Taster oder Teeverkoster neben dem erlernbaren Handwerkszeug viel Liebe zu ihrem Beruf und eine Portion Talent. Ihr geübter Gaumen, ihre Nase und ihr trainierter Blick sind der entscheidende Faktor für den Genuss, den Sie als Verbraucher in Ihrer Kräuter- oder Früchtetee-Tasse haben werden.

 

Der Meister aller Kräuter und Früchte

Tea Taster arbeiten in Unternehmen, die Schwarztee oder Kräuter- und Früchtetee für den Lebensmittelhandel produzieren. Die Aufgaben eines Tea Tasters sind vielfältig und verantwortungsvoll. Er ist nicht nur für den Einkauf und die Qualitätssicherung, sondern auch für die Mischung von oft Hunderten von Tee-Sorten verantwortlich. Jede Lieferung von Kräutern und Früchten, die sogenannte Rohware, die ein teeproduzierendes Unternehmen erreicht, trifft mehrmals auf einen oder mehrere Tea Taster, bevor sie sich für die Weiterverarbeitung zu Kräuter- oder Früchtetee qualifiziert. In der Regel senden die Erzeuger der Kräuter und Früchte Muster der neuen Ernte an die Unternehmen, wo sie von den Tea Tastern nach Beschaffenheit, Aussehen, Duft und Geschmack beurteilt werden. Fällt das Urteil positiv aus, ordert der Tea Taster die benötigte Menge bei dem Anbieter. Nach der Lieferung der bestellten Rohware zieht der Tea Taster nach einer ausgefeilten Prüfmethode Stichproben, um sie nochmals mit dem Muster zu vergleichen. Gleichzeitig beauftragt er ein Labor, hausintern oder extern, mit der chemischen Untersuchung der Kräuter und Früchte, um die Qualität der Pflanzen und die Sicherheit der Kunden zu gewährleisten.

Auf die richtige Mischung kommt es an...

Wenn Kräuter- und Früchtetee nur aus einer Pflanzenart hergestellt werden soll, z. B. Kamille oder Pfefferminze, ist die Arbeit des Tea Tasters relativ leicht: Die Kräuter oder Früchte werden zum Abpacken freigegeben, einzelne Muster ein letztes Mal - wie könnte es anders sein? - geprüft. Viel schwerer ist die Arbeit, wenn es um Kräuter- oder Früchteteemischungen geht. Der Verbraucher möchte natürlich, dass sein Tee immer das gleiche Geschmackserlebnis bietet. Da sich die Ernten jedoch geschmacklich, bedingt z. B. durch Klimaschwankungen, etwas unterscheiden, ist die wahre Kunst des Tea Tasters gefragt, der durch raffinierte Mischung der Kräuter und Früchte das gewünschte Ergebnis erzielt. Die Mühe, die diese Arbeit oft mit vielen Versuchen erfordert, hat nur ein Ziel: gleichbleibende Qualität.

Eine Welt voll schmatzen und schlürfen

Ähnlich wie Weinexperten haben Tea Taster eine weltweit standardisierte Methode und Fachbegriffe, um Tee objektiv zu testen und zu klassifizieren. So werden immer exakt die gleichen Mengen der Tee-Muster mit der gleichen Menge Wasser aufgegossen, bei gleich langer Ziehzeit. Nachdem die losen Kräuter und Früchte angeschaut, befühlt und berochen wurden, werden sie in einer Tasse mit Deckel aufgebrüht. Nach der Ziehzeit wird zuerst das Aroma des Dampfes beim Abnehmen des Deckels beurteilt, dann die Farbe und der Geruch des Aufgusses und der aufgegossenen Kräuter und Früchte, die sogenannte "Infusion". Das geschmackliche Testen des Aufgusses bietet schließlich ein besonderes Spektakel: Der Kräuter- und Früchtetee wird schlürfend eingesogen (um auch Sauerstoff aufzunehmen und so die Geschmacksnerven zu stimulieren) und im Mund verteilt, damit sowohl mit Zunge, Gaumen und dem Wangeninneren geschmeckt werden kann. Nach wenigen Sekunden, die dem Tea Taster für eine Beurteilung reichen, wird der Kräuter- und Früchtetee dann in einen Spucknapf gespuckt.

Mehrere Hundert solcher Tassenproben sind an der Tagesordnung. Zumeist finden sie morgens, mittags und nachmittags statt, um den Geschmacksnerven eine kleine Erholung zu gönnen. Der Rest des Tages wird mit dem Einkauf, Prüfberichten und anderen "Papierarbeiten" verbracht. Tea Taster verfügen nicht nur über hochentwickelte Geschmacksnerven, sie haben auch ein ausgeprägtes Geschmackserinnerungsvermögen. Sie entwickeln über die Jahre die Fähigkeit, Hunderte von Rezepturen zu erkennen.

Zufall oder Schicksal?

Ob man ein Tea Taster wird, ist oft eine Frage des Zufalls, denn es ist kein klassischer Lehrberuf. Oft haben Tea Taster eine kaufmännische Ausbildung in einem teeproduzierenden Unternehmen absolviert oder nach einem Studium in einem solchen Unternehmen mit einem ganz anderen Job begonnen. Der Umgang mit dem vielfältigen und faszinierenden Produkt entwickelt sich bei einigen dann zu einer Leidenschaft. Bei entsprechendem Talent und wenn das Unternehmen bereit und in der Lage ist, über viele Jahre einen neuen Tea Taster auszubilden, hat man vielleicht das Glück, diesen gleichsam ausgefallenen wie interessanten Beruf zu erlernen. Gute Englischkenntnisse sind übrigens ein Muss, denn die Kräuter und Früchte kommen aus vielen Ländern und die Einkaufsverhandlungen werden zumeist auf englisch geführt.

 

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