Rohstoffknappheit – kreative Wege aus der Misere
Kräuter- und Früchteteebranche fördert die Erschließung neuer Anbauregionen
Die ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln ist nicht mehr gewährleistet, das trifft auch die Kräuter- und Früchteteeproduktion. In der Vergangenheit waren Naturkatastrophen, Missernten und Misswirtschaft die Gründe für den Hunger in der Welt – heute lassen sich die Gründe mit drei Schlagworten zusammen fassen: „China“, „Klima“ und „Biosprit“. Bereits 2007 erkannte die deutsche Kräuter- und Früchtebranche, als diese Problematik in der Lebensmittelbranche noch kein Thema war, dass der Bedarf an Rohwaren schwer sicherzustellen ist. In 2008 hat sich die Situation signifikant zugespitzt, plötzlich sind auch die internationalen Lebensmittelhersteller in der Krise. Arbeits- und kostenintensive Maßnahmen sollen künftig die Kräuter- und Früchteteeproduktion sichern: allem voran die Nutzung anderer, als schwierig geltender Anbaugebiete und die Förderung kleinbäuerlicher Strukturen.

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Krise durch Teufelskreise
Durch mehr Wohlstand in den Schwellenländern Asiens und Südamerikas steigt die Nachfrage nach höherwertigen Lebensmitteln und Viehfutter. Gleichzeitig gibt es durch die Klimaveränderung immer weniger bewirtschaftbare Flächen, die Ernteerträge sinken. Wegen des Bio-Kraftstoff-Booms kommen nun immer mehr Agrarprodukte in den Tank statt auf den Tisch. Dieser Entwicklung steht ein weiterhin rasantes Wachstum der Weltbevölkerung und damit ein erhöhter Bedarf an Nahrungsmitteln gegenüber. Als Reaktion auf die gestiegenen Preise von Weizen, Mais, Reis und Soja bauen die Erzeugerländer nur noch profitable Monokulturen an. Ein umweltverträglicher Produktwechsel erfolgt nicht mehr. Außerdem werden in vielen Ländern riesige Flächen Regenwald gerodet, um Zuckerrohr- und Ölpalm-Plantagen im Industriemaßstab anlegen zu können. Diese „Industrie-Erzeugung“ von Nahrungs- und Energiepflanzen zerstört Boden, Wasser und Artenvielfalt und trägt damit wiederum zum Klimawandel bei. Die Leidtragenden dieses Teufelskreises sind Kleinbauern, arme ländliche Gegenden und nicht zuletzt die Umwelt.
Neue Räume für Kräuter und Früchte
Dass vor diesem Hintergrund die Bereitschaft zur Erzeugung von Tee- und Kräuterprodukten weiter sinkt, verwundert nicht. Überraschend sind jedoch die Schnelligkeit und die Wucht dieser Entwicklung. Obwohl die Maßnahmen, mit denen die deutsche Kräuter- und Früchteteebranche der Versorgungskrise bereits im vergangenen Jahr zu begegnen suchte, durchaus ermutigende Resultate zeigten, müssen die Produzenten nun noch kreativer werden, um ausreichende Mengen auch in Zukunft sicherzustellen.
So weicht die Branche in ihrer mittelfristigen Planung immer mehr in Länder aus, in denen es noch große Mengen von Brachflächen gibt. Es wird gezielt nach Weltregionen mit schwierigen klimatischen Verhältnissen gesucht. Hier sind Kräuter- und Früchteteerohstoffe gegenüber Weizen, Mais und Co. im Vorteil, da diese anspruchsvollen Gebiete für die industrialisierte Erzeugung nicht geeignet sind.
Neue Chancen
Bevorzugt arbeiten die Kräuter- und Früchteteeproduzenten weiterhin mit kleinen und mittleren Landwirtschaftsbetrieben, um ihnen eine Überlebenschance zu geben – auch wenn diese Vielzahl von Kleinbetrieben weit mehr Beratung und Betreuung benötigt als Großbetriebe. Durch aufeinander abgestimmte Maßnahmen wird auch bei der Erschließung bisher nicht nutzbarer Anbauflächen geholfen. Durch die Unterstützung solcher Projekte gewinnen die Kräuter- und Früchteteeproduzenten dringend benötigte Flächen sowie die zur Bewirtschaftung unerlässlichen Arbeitskräfte.
Dualer Anbau mit Doppelnutzen
Da die Lebensmittelversorgung der Anbaupartner in extrem armen Ländern immer mehr Sorgen bereitet, versuchen die deutschen Kräuter- und Früchteteeimporteure, die Erzeugung der regionalen Grundnahrungsmittel mit der Erzeugung der Kräuter- und Früchteteerohstoffe in Einklang zu bringen. Es gibt Weltregionen, welche die klimatischen Voraussetzungen für einen solchen „dualen Anbau“ bieten. Auf diese Weise können zum Beispiel Hirse für den traditionellen Eigenbedarf der Anbauer und Kräuter- und Früchteteerohstoffe als Unterfrucht gleichzeitig angebaut werden. Um eine Auslaugung des Bodens durch diese Doppelnutzung zu verhindern, werden sowohl die ausgedroschenen Hirsepflanzen als auch die nicht benötigten Pflanzenteile als Biokompost den Feldern wieder zugeführt.
Außerdem wird an dem langjährig bewährten System des Fruchtwechsels festgehalten und damit die Umwelt geschont.
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