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Interview mit Robert C. Bergmann, Australian Trade Commission in Deutschland

Herr Robert C. Bergmann ist bei der Australischen Handels-Kommission in Frankfurt zuständig für den Lebensmittelbereich.

 

Frage: Australien und die australischen Gewohnheiten sind für uns Europäer naturgemäß sehr weit weg. Was können Sie uns generell zu der australischen Kräuter- und Früchtetee-Kultur erzählen?

Robert C. Bergmann: Australier sind große Teetrinker und haben einen wesentlich höheren Teekonsum als viele andere Länder. Sie kaufen pro Jahr für über 260 Millionen AUD Tee, 11% davon sind Kräuter- und Früchtetees. Australien hat eine lange Tradition, was das Trinken von Kräuter- und Früchtetees angeht. Selbst der kleinste Laden auf dem Lande bietet eine große Anzahl verschiedener Sorten an.

Wann werden Kräuter- und Früchtetees am häufigsten getrunken?

Australier trinken Kräuter- und Früchtetees an sich täglich, sei es nun zum Frühstück, als Morgentee, mittags, als Nachmittagstee oder gern auch am Abend.

Von wem werden Kräuter- und Früchtetees am liebsten genossen und welches sind die beliebtesten australischen Sorten?

Es gibt eigentlich keinen "typischen" Teetrinker in Australien. Jedoch werden Kräuter- und Früchtetees von weiblichen Konsumenten bevorzugt.

Während des Sommers werden etwas mehr erfrischende Tees getrunken und im Winter wiederum die Kräutertees, die bei Anzeichen von Erkältung und Grippe hilfreich sein können.

Seit wann gibt es Zitronenmyrte-Tee in Australien?

Zitronenmyrte-Tee ist seit einigen Jahren im australischen Lebensmittelhandel breit distribuiert. Der Kräutertee wurde sofort ein Erfolg und mittlerweile baut das produzierende Unternehmen 1,4 Millionen Zitronenmyrte-Bäume kontrolliert biologisch an.

Man sagt, dass bereits vor Tausenden von Jahren die Zitronenmyrte von den Aborigines, den australischen Ureinwohnern, genutzt wurde? Können Sie uns sagen, wie sie verwendet wurde?

Da sich die natürliche Verbreitung von Zitronenmyrte ausschließlich auf den Norden von Queensland konzentriert, wurde Zitronenmyrte von den hier ansässigen Aborigines genutzt. Sie machten aus ihren Blättern Tee, so wie wir es heute tun. Darüber hinaus sagten sie ihr eine starke antiseptische Wirkung nach, so dass die Zitronenmyrte auch äußerlich eingesetzt wurde.

Werden der Zitronenmyrte auch heute noch positive Eigenschaften zugesprochen?

Zitronenmyrte enthält eine sehr hohe Konzentration des ätherischen Öls Citral, das schon lange für seine positiven Eigenschaften bekannt ist. Es hat im Vergleich zu allen anderen Inhaltstoffen australischer Pflanzen die wirksamsten antibakteriellen Eigenschaften. Zitronenmyrte soll sogar vor und während des ersten Weltkriegs von deutschen Naturwissenschaftlern zur Herstellung eines pflanzlichen Heilmittels für Wunden und Infektionen eingesetzt worden sein.

Nun wird die Zitronenmyrte ja als reines Natur-Produkt propagiert, wächst denn der Zitronenmyrte-Baum ausschließlich in den Regenwäldern von Queensland?

Ja, der Baum kommt nur in den küstennahen Regenwäldern im nördlichen Queensland vor. Er wächst einfach nirgendwo sonst. Verwandte Vertreter der Pflanzenfamilie "Myrtacea" gibt es auch in Europa und anderen Kontinenten, die Zitronen-Variante ist jedoch nur in Australien zu finden.

Gibt es besondere Anlässe, zu denen Zitronenmyrte-Tee getrunken wird?

Nein, er ist so beliebt, dass man ihn rund um die Uhr zu jeder Gelegenheit genießt.

Kann man bei jungen Leuten einen Trend hinsichtlich des Konsums feststellen?

Kräutertee im Allgemeinen und Zitronenmyrte-Tee im Speziellen nehmen bei den Jungen beständig an Beliebtheit zu. Wir glauben, dass dieser Trend mit dem gestiegenen Gesundheitsbewusstsein zusammenhängt und nicht zuletzt mit seinem erfrischenden Geschmack.

Haben Sie einen besonderen Rezept-Tipp?

Die Zitronenmyrte findet in der Küche breite Anwendung. Kürzlich hat sie sogar einen Preis beim Gold Cup Kochwettbewerb in Deutschland gewonnen. Sie wird gern zum Aromatisieren von Speisen und Getränken genommen, z.B. von Gebäck, Brot, Süßwaren, Joghurt, Eiscreme, Tee und Tee-Mischungen.
Ich persönlich koche gern indische Curries und nehme nun anstatt Zitronengras lieber Zitronenmyrte. Sie schmeckt nicht nur viel besser, sie ist auch weicher als Zitronengras.

 

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